
Familie Andreas Scheuermann erhält die Auszeichnung des Bezirks für beispielhafte Instandsetzung eines ehemaligen Richterhauses in Untergriesbach. - Foto: Dr. Clemens Knobling
Niederbayern - pm (03.08.2026) Der Bezirk Niederbayern verleiht den mit 7.500 Euro dotierten Denkmalpreis 2026 an Familie Andreas Scheuermann für die vorbildliche und denkmalgerechte Instandsetzung eines ehemaligen Richterhauses in Untergriesbach. Diesem Vorschlag von Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling folgte der Kultur-, Jugend- und Sportausschuss unter dem Vorsitz von Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl in seiner Sitzung am 30. Juli.
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich informierte die Preisträger über die Entscheidung. „Die Familie Scheuermann zeigt mit der Instandsetzung des Richterhauses, was denkmalgerechte Sanierung im besten Sinne bedeutet: ein historisch bedeutsames Gebäude vor dem Verfall zu bewahren – und das fast vollständig in Eigenleistung. Ein solches Engagement ist keine Selbstverständlichkeit und verdient höchste Anerkennung.“
Das sogenannte Richterhaus im Weiler Scherleinsöd bei Untergriesbach wurde laut dendrochronologischer Untersuchung um 1670 errichtet. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Steinbau mit gegliederter Frontfassade, der die herausgehobene Stellung seiner einstigen Bewohner unmittelbar sichtbar macht. „Das Gebäude hat neben dem baugeschichtlichen somit auch regionalgeschichtlichen Wert“, fasste Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling zusammen.
Familie Scheuermann hat unsachgemäße Einbauten aus jüngerer Zeit zurückgebaut und die historischen Bauteile des Gebäudes wieder freigelegt: Jüngere „Weißdecken" wurden entfernt, sodass die bauzeitlichen Holzbalkendecken heute wieder sichtbar sind. Die Fenster wurden mit Restauro-Glas und schlanken, dem historischen Vorbild nachempfundenen Holzprofilen erneuert. Die Fassade wurde gefestigt und restauratorisch behandelt, sodass ihr historisches Erscheinungsbild erhalten werden konnte.
„Die Herangehensweise der Eigentümerfamilie war bemerkenswert“, so Knobling. „Es wurden weitgehend historische Handwerkstechniken angewandt, auf synthetische Baustoffe wurde, wo immer möglich, verzichtet.“ Viele Details konnten so entweder durch sachgemäße Restaurierung oder behutsame Ergänzung zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt werden. „Die Fassade spiegelt die Baugeschichte wie ein Palimpsest wider, es lassen sich daran sieben Bauphasen ablesen."
Bezirkstagsvizepräsident Dr. Pröckl: „Die Instandsetzung des Richterhauses in Scherleinsöd ist außergewöhnlich in ihrer wissenschaftlichen Präzision. Dass ein authentisches Stück Baugeschichte erhalten blieb, ist dem immensen Engagement und Sachverstand der Familie Scheuermann zu verdanken.“

