Landshut - pm (09.03.2026) Wenn am 21. März in vielen Teilen der Welt Feuer entzündet, traditionelle Tänze getanzt und Familien zusammenkommen, beginnt für Millionen Kurdinnen und Kurden das neue Jahr: Newroz. Das Fest markiert nicht nur den Frühlingsbeginn, sondern steht zugleich für eine uralte Kultur, für Gemeinschaft – und für den Wunsch nach Freiheit.
Auch in Landshut wird Newroz gefeiert. Der Internationale Kurdische Freundschaftsverein Landshut widmet dem Fest derzeit eine Ausstellung, die Geschichte, Mythologie und politische Bedeutung des kurdischen Neujahrsfestes anschaulich darstellt. Fotos aus Kurdistan und aus der Region zeigen, wie lebendig diese Tradition bis heute ist.
Der „neue Tag“
Der Name „Newroz“ bedeutet wörtlich „neuer Tag“. Er setzt sich aus den kurdischen Wörtern „nu“ (neu) und „roj“ (Tag) zusammen. Gefeiert wird das Fest jedes Jahr zur Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. März, wenn der Winter endet und der Frühling beginnt.
Traditionell symbolisiert Newroz den Aufbruch: Die Natur erwacht, Blumen blühen, Tiere werden aktiv und die Menschen versammeln sich draußen, um gemeinsam zu feiern. In vielen Regionen Kurdistans entzünden Menschen große Feuer auf Hügeln oder Bergen, tanzen in traditionellen Kleidern und singen Volkslieder.
Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Feier in der kurdischen Stadt Akre im Norden des Irak. Dort tragen Menschen Fackeln auf die umliegenden Berge, sodass ganze Berghänge von Feuerlinien erleuchtet werden – ein Bild, das in vielen Darstellungen von Newroz zum Symbol geworden ist.
Mythologische Wurzeln
Die Ursprünge von Newroz reichen tief in die kurdische Mythologie zurück. Eine der bekanntesten Legenden erzählt von dem tyrannischen Herrscher Dehok (in manchen Versionen Zahhak).
Der Sage nach wuchsen dem Tyrannen zwei Schlangen aus den Schultern, die täglich mit den Gehirnen junger Menschen gefüttert werden mussten. Um möglichst viele Menschen zu retten, tauschten einige Wächter heimlich die Opfer aus und ermöglichten vielen Jugendlichen die Flucht in die Berge.
Dort formierte sich schließlich Widerstand. Angeführt wurde er von Kawa dem Schmied, einer bis heute zentralen Figur der kurdischen Mythologie. Kawa organisierte den Aufstand gegen den Tyrannen und stürzte ihn schließlich.
Um den Sieg über Unterdrückung zu verkünden, entzündete Kawa ein großes Feuer auf einem Berg. Dieses Siegesfeuer gilt als Ursprung der Newroz-Feuer – und als Symbol für Freiheit und Hoffnung.
Ein Fest mit politischer Bedeutung
Im Laufe der Geschichte entwickelte sich Newroz nicht nur zu einem kulturellen Fest, sondern auch zu einem politischen Symbol. Besonders im 20. Jahrhundert gewann es für viele Kurdinnen und Kurden eine neue Bedeutung.
In den verschiedenen Staaten, in denen Kurdinnen und Kurden leben – darunter Türkei, Irak, Iran und Syrien – wurde kurdische Kultur lange Zeit eingeschränkt oder unterdrückt. In manchen Perioden war auch das Newrozfest verboten oder politisch entleert.
Trotz dieser Einschränkungen blieb Newroz für viele Menschen ein Ausdruck kultureller Identität. In historischen Momenten, etwa während der kurzlebigen Republik Mahabad 1946 im Iran oder zeitweise im Irak, konnte das Fest öffentlich gefeiert werden.
Gleichzeitig war die Geschichte des Festes immer wieder von Tragödien überschattet. So erinnern viele Kurdinnen und Kurden auch an Ereignisse wie den Giftgasangriff auf Halabja im Jahr 1988, der tausende Menschen das Leben kostete.
Traditionen und Gemeinschaft
Neben seiner historischen und politischen Bedeutung ist Newroz vor allem ein Fest der Gemeinschaft. Menschen tragen traditionelle Kleidung, tanzen in großen Kreisen, essen gemeinsam und begrüßen das neue Jahr.
Feuer spielt dabei eine zentrale Rolle: Oft springen Menschen über kleine Flammen oder versammeln sich um große Feuer, die den Sieg des Lichts über die Dunkelheit symbolisieren.
Newroz in Landshut
Auch in Landshut hat das Fest seinen Platz gefunden. Der Internationale Kurdische Freundschaftsverein Landshut organisiert regelmäßig Newroz-Feiern, bei denen Musik, Tanz und gemeinsames Essen im Mittelpunkt stehen.
Fotos in der aktuellen Ausstellung zeigen unter anderem Newroz-Feiern der vergangenen Jahre in Landshut. Zu sehen sind tanzende Besucherinnen und Besucher, traditionelle Kleidung und ein gemeinsames Feuer im Innenhof – ein Stück kurdischer Kultur mitten in Niederbayern.
Die Ausstellung verbindet Bilder aus Kurdistan mit lokalen Eindrücken und macht deutlich: Newroz ist mehr als ein Feiertag. Es ist ein Symbol für kulturelle Identität, für den Beginn eines neuen Jahres – und für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Während draußen langsam der Frühling beginnt, erinnert das Fest daran, was sein Name verspricht: einen neuen Tag.

