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Niederbayern: Gewalt gegen Polizeibeamte: Von 510 Tatverdächtigen 66 % unter Drogen oder Alkohol

Joachim Herrmann (Politiker, 1956) – WikipediaBayerns Innenminister Joachim Herrmann berichtete

NIEDERBAYERN - pol (17.07.2026) Innenminister Joachim Herrmann veröffentlichte am Mittwoch, 01.07., gemeinsam mit Justizminister Georg Eisenreich im Rahmen einer Pressekonferenz das bayerische Lagebild 2025 – Gewalt gegen Polizeibeamte (GewaPol), in welchem auch die folgenden Zahlen aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern enthalten sind.

Rückgang der Fallzahlen und der Anzahl der Verletzten 

Im Berichtsjahr 2025 wurden in Niederbayern 588 Fälle registriert, bei denen Polizeibeamte, überwiegend aus dem Wach- und Streifendienst, Geschädigte von physischer und/oder psychischer Gewalt wurden.

Gegenüber 2024 (652 Fälle) entspricht dies einem Rückgang der Fallzahlen um 9,8 Prozent.

Von den registrierten Delikten entfielen 337 Fälle auf körperliche Gewalt (2024: 387), darunter Körperverletzungen (22), Widerstandshandlungen (120), tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte (193) sowie Raubdelikte (2). Darüber hinaus verzeichneten die niederbayerischen Dienststellen 191 Beleidigungen (2024: 203) und 29 Bedrohungen (2024: 33).

Im Zusammenhang mit den in 2025 statistisch erfassten GewaPol-Fällen waren 1.443 Polizeibeamte betroffen, 163 weniger gegenüber dem Vorjahr, was einem Rückgang von 10,1 Prozent entspricht. 251 Polizeibeamte wurden im Berichtsjahr verletzt, einer davon schwer (2024: 172). Dies führte niederbayernweit zu insgesamt 312 Dienstausfalltagen (2024: 278 Dienstausfalltage).

„Der Rückgang der Fallzahlen sowie die gesunkene Zahl verletzter Einsatzkräfte sind eine erfreuliche Entwicklung. Dennoch bleibt jeder Angriff auf unsere Kolleginnen und Kollegen einer zu viel! Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte setzen sich täglich für die Sicherheit der Menschen in Niederbayern ein und verdienen dafür Respekt statt Gewalt. Deshalb werden wir bei der Bekämpfung von Gewalt gegen unsere Einsatzkräfte auch künftig nicht nachlassen und konsequent gegen entsprechende Straftaten vorgehen.“, so Polizeipräsident Roland Kerscher.

Zeigt die Entwicklung der Fallzahlen Gewalt gegen Polizeibeamten

Zeigt die Entwicklung der Fallzahlen Gewalt gegen Polizeibeamten

© PP Niederbayern

Überwiegend männliche Tatverdächtige – Schutz der Einsatzkräfte hat höchste Priorität

Eine Analyse der insgesamt 510 Tatverdächtigen (2024: 537) ergab, dass es sich bei 83,92% aller Tatverdächtigen um Männer handelte. Weiterhin standen im Berichtsjahr zur Tatzeit 66,1% der Tatverdächtigen unter dem Einfluss von Alkohol bzw. unter Drogen und/oder Medikamenteneinfluss.

Im Jahr 2025 wurden 386 Deutsche (2024: 403) und 124 Nichtdeutsche (2024: 134), davon 41 Zuwanderer (2024: 34), als Tatverdächtige ermittelt.

Bei 24,7% der Tatverdächtigen handelt es sich um Wiederholungstäter in Bezug auf Gewalttaten gegen Polizeivollzugsbeamte.

44% der Vorfälle fanden auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen statt. Der Großteil der Angriffe geschieht im alltäglichen Polizeidienst (85,7%).

Als Eingriffsmaßnahme, die der Gewalt gegen Polizeibeamte zugrunde lag, dominierte wie in den Vorjahren freiheitsentziehende Maßnahmen wie Festnahmen, Gewahrsamnahmen oder Unterbringungen vor Identitätsfeststellungen oder Sachverhaltsklärungen. In 96,5% der Fälle wenden die Polizeikräfte einfache, körperliche Gewalt und Fesselungen an.

Polizeipräsident Roland Kerscher: „Der Schutz unserer Einsatzkräfte hat für das Polizeipräsidium Niederbayern höchste Priorität. Deshalb nutzen wir moderne Schutzausstattung wie ballistische Schutzausrüstung und Body-Cams, führen regelmäßig realitätsnahes Einsatztraining durch und entwickeln in taktische Konzepte, die dazu beitragen, Risiken im Einsatz zu minimieren. Zudem werden in enger Zusammenarbeit mit den niederbayerischen Justizbehörden beschleunigte Ermittlungsverfahren in herausragenden Fällen durchgeführt.

Werden Kolleginnen oder Kollegen Opfer von Gewalt, lassen wir sie nicht allein. Ihnen stehen verschiedene Unterstützungsangebote wie der Polizeiliche Soziale Dienst sowie die Psychosoziale Notfallversorgung zur Verfügung. Wir begleiten die Betroffenen auch über den eigentlichen Einsatz hinaus.“

Vergleich der Städte und Landkreise

Für lokale Vergleiche der Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung (hier speziell bzgl. der Gewalt an Polizeibeamte) wird als Index die sog. Häufigkeitszahl (HZ) herangezogen. Sie definiert sich an der Anzahl der statistisch erfassten Fälle gerechnet auf 100.000 Einwohner.

Die niederbayerische GewaPol-HZ beträgt im Durchschnitt 47 (Bayern: 54). Wie auch die Fallzahlen der vergangenen Jahre zeigten, ist die GewaPol-Belastung in den fünf bevölkerungsreichsten Städten Niederbayerns (Deggendorf, Landshut, Dingolfing, Passau und Straubing) mit Häufigkeitszahlen von 196 bis 72 deutlich höher gegenüber der der Landkreise. Den Spitzenwert erreicht die Stadt Passau mit einer Häufigkeitszahl von 196. Dies entspricht einen Anstieg auf 104 Fälle gegenüber dem Vorjahr (74). Auch in Landshut ist ein Zuwachs um 13,3% zu verzeichnen (von 75 auf 85 Fälle), während in Straubing, Deggendorf und Dingolfing Rückgänge festzustellen sind.

Für die niederbayerischen Landkreise zeigt das Lagebild Häufigkeitszahlen im Bereich von 43 bis 14 und ist im Vergleich zum Vorjahr in allen Landkreisen gesunken.

Abschließend verdeutlicht Polizeipräsident Roland Kerscher: „Gewalt gegen unsere Kolleginnen und Kollegen ist kein Berufsrisiko, das als selbstverständlich hingenommen werden darf. Wir werden jeder Form von Gewalt mit aller Konsequenz entgegentreten und zugleich alles daransetzen, unsere Einsatzkräfte bestmöglich auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten und im Ernstfall zu unterstützen.“

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