
Bei der Razzia bei Hanf.com in der Landshuter Theaterstraße wurden rund 1.500 Artikel beschlagnahmt, darunter Hanftees, CBD-Blüten und Samen.
Landshut - pm (11.10.2026) Drei Polizeistreifen haben am Freitagnachmittag den Hanf.com-Store in der Landshuter Theaterstraße durchsucht und während des Einsatzes abgeriegelt. Nach Angaben des Unternehmens wurden rund 1.500 Artikel mitgenommen. Cannabissamen seien aus einem Kühlschrank beschlagnahmt, Stecklinge abgeschnitten sowie Hanftees, CBD-Blüten, weitere Verkaufsware und die Ladenkasse sichergestellt worden.
„Die Regale sind leer. Ein solches Vorgehen ist geschäftsschädigend“, sagt Hanf.com-Gründer Wenzel Cerveny (65).
Cerveny richtet seine Kritik ausdrücklich an die Staatsanwaltschaft Landshut, die den Laden in der Dreihelmstadt bereits zum vierten Mal durchsuchen lässt. „Wer im Jahr 2026 Hanftees, Hanfsamen und CBD-Blüten aus einem Hanfladen beschlagnahmen lässt, dreht die Cannabis-Zeit zurück“, erklärt er. „Ausgerechnet nach der Teillegalisierung werden bei uns Produkte aus den Regalen getragen, die mit dem eigentlichen Vorwurf gegen die Pflanzen nichts zu tun haben. Das hat weder mit Augenmaß noch mit einem verhältnismäßigen Vorgehen zu tun.“ Eine Anklage ist heute nicht erfolgt.
Für Cerveny steht der Einsatz zugleich in einer politischen Linie, die Ministerpräsident Markus Söder bereits vor Inkrafttreten des Cannabisgesetzes angekündigt hatte. Im Februar 2024 erklärte Söder: „Wir werden dieses Gesetz extremst restriktiv anwenden.“ Wenige Wochen später beschloss die Bayerische Staatsregierung, die gesetzlichen Regelungen im
Freistaat so restriktiv wie möglich auszulegen und Cannabis-Delikte konsequent zu verfolgen.
„Bayern wollte das Cannabisgesetz maximal restriktiv vollziehen“, sagt Cerveny. „In Landshut sieht man jetzt, wie das in der Praxis aussieht: Stecklinge abgeschnitten, Hanftee und CBD-Blüten weg, Samen aus dem Kühlschrank geholt, Regale leer, Kasse weg. Das ist Söders Cannabis-Bayern 2026.“
Grundlage der Razzia ist ein Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Landshut vom 18. September 2026. Nach dem Beschluss besteht der Verdacht, dass im Landshuter Geschäft am 2. Juli mindestens zehn Cannabispflanzen aufgezogen worden seien, um sie später gewinnbringend zu verkaufen. Polizeibeamte hatten dort dem Beschluss zufolge etwa 13 bis 15 Pflanzen unter einer Pflanzenbeleuchtung festgestellt.
Für Cerveny erklärt diese Rechtsfrage jedoch nicht den Umfang des Einsatzes. „Über Stecklinge können Staatsanwälte und Gerichte streiten. Aber was haben Hanftee, Hanfsamen und CBD-Blüten mit diesem Vorwurf zu tun?“, fragt er. „Wenn wegen einiger Pflanzen ein Geschäft nahezu leergeräumt wird, ist das für uns wirtschaftlich geschäftsschädigend.“
Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bereits um die 34. Razzia im Umfeld der Hanfgeschäfte Cervenys und um die vierte Durchsuchung in Landshut. „Irgendwann muss die Staatsanwaltschaft Landshut erklären, was sie eigentlich bekämpfen will: Straftaten – oder Hanf.com“, sagt Cerveny.
Hanf.com verkauft in Landshut neben Produkten für den privaten Anbau insbesondere Lebensmittel, Kosmetik, CBD-Produkte und Erzeugnisse aus Nutzhanf. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Sicherstellung eines Produkts im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens für sich genommen noch keine gerichtliche Feststellung seiner Illegalität darstellt.
„Die Politik hat Cannabis teilweise legalisiert. Wenn 2026 wieder Hanftee, Hanfsamen und CBD-Blüten aus den Regalen geholt werden, dreht die Staatsanwaltschaft die Uhr zurück“, kritisiert Cerveny. „Die Cannabis-Zeit läuft rückwärts in Bayern.“

