
Bereits zum zweiten Mal fand zum Start des CSD in Landshut ein ökumenischer Gottesdienst statt. - Foto: Chiara Pillhöfer
Landshut – pm (01.10.2026) Mit einem ökumenischen Gottesdienst ist der CSD Landshut am Vormittag feierlich eröffnet worden. Unter dem Motto „Vielfalt! grenzenlos – weltweit – zusammen“ kamen Besucher:innen um 11:30 Uhr zusammen, um gemeinsam zu beten, zu singen und ein sichtbares Zeichen für Menschenwürde, Akzeptanz und Vielfalt zu setzen.
Nach dem musikalischen Einstieg wurde die Begrüßung von den Organisator:innen Vian-Malou Neumann von der Queer Pastoral im Erzbistum München und Freising, Daniel Schuler von der altkatholischen Kirche sowie Chiara Pillhöfer vom Evangelischen Dekanatsbezirk Landshut gestaltet. Von Beginn an wurde deutlich: Queer zu sein und zu glauben sind kein Widerspruch. Kirche solle ein Ort sein, an dem Vielfalt gelebt werde und Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Schutz, Anerkennung und Gemeinschaft erfahren könnten.
Eine Lesung aus dem Buch Jesaja griff das Bild eines Trauerschleiers auf, der von den Menschen genommen wird. Dieses starke Bild wurde als Zeichen der Hoffnung, der Befreiung und des Vertrauens auf eine bessere Zukunft verstanden. Es erinnerte daran, dass Leid, Ausgrenzung und Angst nicht das letzte Wort haben müssen.
Besonders eindrucksvoll war eine Aktion mit Jugendlichen. Aus zunächst dunkler Kleidung entstanden nach und nach Farben, die sich schließlich zu einem gemeinsamen Regenbogen verbanden. Begleitet von dem Lied „True Colours“ entstand ein bewegender Moment, der das Gottesdienstmotto sichtbar machte: Vielfalt zeigt sich nicht nur in Worten, sondern im gemeinsamen Handeln und im Mut, die eigene Persönlichkeit offen zu leben.
Im Mittelpunkt der Auslegung stand das Evangelium von den Jüngerinnen und Jüngern, die sich nach Jesu Tod hinter verschlossenen Türen zurückgezogen hatten. Die verschlossene Tür wurde als vielschichtiges Symbol gedeutet: Sie kann Schutz vor Verletzung und Bedrohung bieten, zugleich aber auch Angst, Rückzug und Abgrenzung ausdrücken. Damit knüpfte die Predigt an Erfahrungen vieler queerer Menschen an, die mit Diskriminierung, Gewalt, Ablehnung oder der Sorge vor einem Coming-out konfrontiert sind.
Dabei wurde deutlich, dass niemand erst vollkommen „heil“ oder frei von Angst sein müsse, um einen ersten Schritt nach draußen zu wagen. Begegnung, Solidarität und Hoffnung können Kraft geben, Türen vorsichtig zu öffnen und sich nicht allein zu fühlen. Kirche könne dabei eine besondere Verantwortung übernehmen: als sicherer Raum, in dem Menschen willkommen sind, ohne sich erklären oder verstecken zu müssen.
Den Abschluss bildeten ein inklusives Segensgebet und ein Segenslied. Die Regenbogenjugendlichen verteilten zudem Weltkugeln an die Gottesdienstbesucher:innen – passend zum Gedanken einer grenzenlosen, weltweiten Verbundenheit. Auch die während des Gottesdienstes eingesetzten Plakate konnten anschließend mit zum CSD-Demonstrationszug genommen werden und begleiteten die Botschaft von Vielfalt und Menschenwürde in die Öffentlichkeit.
Der Gottesdienst erhielt viel positive Rückmeldung. Im Anschluss waren die beteiligten Kirchen mit einem gemeinsamen Stand beim CSD vertreten, standen für Gespräche bereit und machten deutlich: Christlicher Glaube und queeres Leben gehören zusammen.

